Fast dreieinhalb Stunden rockte Niedeckens BAP am vergangenen Donnerstag „op kölsch“ die Beverunger Stadthalle. Etwa 1000 Besucherinnen und Besucher tauchten in eine Zeitreise durch das umfangreiche Musik-Repertoire von BAP mit Frontmann Wolfgang Niedecken – alte und neue Songs sorgten eine gute Mischung. Auftritte über der Drei-Stunden-Grenze sind bei Wolfgang Niedecken & Co. nicht die Ausnahme, sondern die Regel, weiß ein eingefleischter BAP-Fan zu berichten.

Ob Songs wie „Do kanns zaubere“, „Kristallnaach“ oder „Verdamp lang her“ – seine alten Hits mit viel Tiefgang und in kölschem Dialekt kamen gut an beim Publikum. Auch neue Songs aus dem jüngsten Solowerk „Reinrassije Strooßekööter – Das Familienalbum“, welches Wolfgang Niedecken in seinem spielfreien Jahr in New Orleans aufgenommen hatte, zogen die Besucherinnen und Besucher in ihren Bann. Mit viel Liebe zum Detail hat Wolfgang Niedecken diesmal auch wieder echte musikalische Fundstücke aus seiner Schatzkiste auf die Setliste gepackt und ihnen zusammen mit seiner Band ein überraschend neues Lebensgefühl eingehaucht.

Illustriert wurden die Songs durch Projektionen, unter anderem Privatfotos und selbstgedrehte Filmsequenzen von unterwegs, die auf einer überdimensionalen Leinwand eine ganz spezielle Atmosphäre geschaffen haben und mit Wolfgang Niedeckens Anekdoten und Geschichten zu einem großen, fließenden Ganzen aneinander moderiert wurden. Er ist nicht nur ein herausragender Musiker, sondern auch ein hinreißender Geschichtenerzähler mit einer warmherzigen Art und der Verbundenheit zu seinen Wurzeln, dem Lebensgefühl zwischen Kölner Chlodwigplatz und Rheinufer. Das sei keine „Lalala-Musik“ sondern es sind Songs mit Tiefgang, wusste BAP- und Köln-Fan Dietmar Matthias aus Beverungen zu berichten.

Erstmals in der 42-jährigen Bandgeschichte begleitete ein dreiköpfiger Bläsersatz die traditionsreiche Band aus Köln mit Wolfgang Niedecken, Ulrich Rode, Anne de Wolff, Michael Nass, Werner Kopal und Sönke Reich, die sich seit Anfang 2014 wieder als „Niedeckens BAP“ bezeichnen. Die drei Bläser Christoph Moschberger, Axel Müller und Johannes Goltz hat Wolfgang Niedecken bei den Aufnahmen zu „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ kennengelernt und später noch einmal bei der ZDF-Show zum Nena-Jubiläum wieder getroffen. Da lag es wohl nicht fern, die drei Musiker mit auf die aktuelle Tour „Live und Deutlich“ mitzunehmen, berichtet Niedecken. Das Bläsertrio, bestehend aus Trompete, Saxophon und Posaune, verlieh den ehrwürdigen Kölschrock-Hits wie „Waschsalon“, „Et ess, wie’t ess“ oder „Diss Naach ess alles drin“ eine prickelnde Note und fügte sich musikalisch elegant in den BAP-Sound ein. Gemeinsam mit dem Bläsertrio pendelte der 67-jährige Frontmann Niedecken während seines Konzertes in Beverungen mit seinen Songs permanent zwischen den Südstaaten der USA und der Kölner Südstadt hin und her – ein Mix aus Kölsch und Southern Comfort oder anders gesagt: „eine schwungvolle Reise des Südstadt-Dylan in die Südstaaten“.

Das BAP-Konzert in Beverungen war nicht anders zu erwarten mit reichlich Tiefgang, das endlos viele Erinnerungen weckte, sich aber zum Lachen auch nicht im Keller verstecken musste – Typisch Kölsch halt. Wolfgang Niedecken hat in Beverungen mit seiner neu formierten BAP bewiesen, dass er immer noch ein mitreißender Sänger, Poet und Geschichtenerzähler ist. 1984 trat BAP zuletzt in der Beverunger Stadthalle auf, daran konnte sich Frontmann Wolfgang Niedecken noch gut dran erinnern. Einige seiner Bandmitglieder waren da noch gar nicht geboren, sagte der 67-jährige Frontmann. Das Plakat vom Auftritt im Jahr 1984 hängt sogar noch in der Stadthalle.